Interview mit Tina Gottwald über den anstehenden Barhufpflege-Kurs

Am nächsten 8.-9. Juni wird Tina Gottwald einen Barhufpflege-Kurs bei der Araber-Reitschule geben. Der Kurs ist auf grosses Interesse gestossen. Wir möchten von Tina mehr über die Kursinhalte erfahren (wir hoffen Tina im Herbst für einen weiteren Kurs zu gewinnen).

Welcher ist dein Zielpublikum? Sind spezielle Vorkenntnisse notwendig?

Der Kurs ist für jeden interessierten Pferdebesitzer geeignet, ob er nun einfach mehr über Hufe lernen will, seinen Hufprofi unterstützen will oder selbst die Hufe selbst bearbeiten. Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Was ist die Motivation für einen Barhuf? Welche sind die Vor- und Nachteile gegenüber den bei uns üblichen Hufbeschlag?

Es ist verhältnismäßig leicht, am Barhuf einen gesunden Huf zu erhalten oder wiederherzustellen. Dies liegt daran, dass ein Barhuf bei passenden Umgebungsbedingungen stets die Tendenz hat, gesund nachzuwachsen. Gute Hufqualität, kräftiges Wachstum und eine gute Form gibt es bei Beachtung einiger Grundregeln geschenkt. Fast alle Hufprobleme und viele Probleme im Bewegungsapparat werden so von vorne herein vermieden. Das Resultat sind problemlose Hufe und ein leistungsfähiges Pferd. Ein Nachteil des Barhufes ist, dass die Kilometerleistung, die das Pferd bringen kann, durch den Abrieb begrenzt ist. Allerdings kann dieser Nachteil ausgeglichen werden, indem der Barhuf um temporären Hufschutz ergänzt wird. Am gesunden Huf hält jeder Beschlag und funktioniert fast jeder Hufschuh. Damit ist das Barhufpferd ohne Einschränkungen einsetzbar, auch im Leistungssport.

Dauerhafter Beschlag hingegen hat den Nachteil, dass der Huf sich darunter aufgrund mangelnder Stimulation verschlechtert, selbst bei guter handwerklicher Arbeit. Zudem ist es schwierig, eine korrekte Stellung und Hufform zu erhalten. Eisenbeschläge bieten darüber hinaus eine mangelhafte Dämpfung beim Reiten oder Fahren auf harten Böden, was den Bewegungsapparat belastet.

Barhufwerkzeuge

Reicht das im Kurs Erlernte, um später selbständig den eigenen Pferd zu pflegen?

Die Antwort auf diese Frage wird in ausführlicher Form im Kurs gegeben.  In Kürze: Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Pferdebesitzer nach einem Wochenendkurs in der Lage sind, gesunde Barhufe zu pflegen.

Und noch über deine Person: Du bist eine Promovierte Physikerin. Was hat dich dazu bewegt, dich für dieses Thema zu interessieren und darüber sogar ein Buch zu publizieren?

Ich bin seit meiner Kindheit pferdebegeistert und habe mich schon als Jugendliche für die Hufbearbeitung interessiert. Während ich dem Hufschmied half, sah ich dass viele Hufprobleme mit herkömmlichen Methoden nicht befriedigend  gelöst werden können. Mit dem Kauf meines ersten eigenen Pferdes -der übrigens 9-jährig, mit katastrophaler Hufstellung, als nur noch gering belastbar wegen Sehnenschäden galt – begann ich, die Beschäftigung mit der Barhufbearbeitung zu intensivieren. Ich lernte, las und experimentierte und bearbeitete mein Pferd bald selbst. Dieser ist übrigens inzwischen 20 Jahre alt, voll reitbar und lief in den letzten 10 Jahren etwa 2000 km auf Wanderritten.

Besonders fasziniert mich, wie man mit guter Hufbearbeitung den Pferden helfen kann. Dieses Wissen gebe ich gerne weiter, damit möglichst viele Pferde davon profitieren.

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